Unsere Einordnung: Diese Seite erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und ist keine Rechtsberatung. Wir schildern, wie wir als technischer Händler die Regelungen verstehen und für unser Sortiment umsetzen. Maßgeblich sind die amtlichen Rechtstexte; für den Einzelfall empfiehlt sich eine eigene rechtliche Prüfung. Stand: 6. August 2026.
Regulatorik · Lieferkette
Konfliktmineralien (3TG): Wer wirklich verpflichtet ist – und was hinter CMRT-Anfragen steckt
„Bitte füllen Sie das beigefügte CMRT aus" – solche Anfragen erreichen den technischen Handel regelmäßig, oft aus der Automobil-Lieferkette. Dahinter stehen reale Sorgfaltspflichten – die allerdings ganz woanders ansetzen als beim Händler von Flanschen und Armaturen. Diese Seite ordnet ein: was die EU-Verordnung zu Konfliktmineralien tatsächlich regelt, wo Zinn und Wolfram im Rohrleitungssortiment überhaupt vorkommen und wie sich CMRT-Anfragen sauber und effizient beantworten lassen.
- Rechtsakt
- VO (EU) 2017/821 (seit 01.01.2021)
- Mineralien
- Zinn, Tantal, Wolfram, Gold (3TG)
- Verpflichtet
- Unionseinführer von Erzen/Metallen
- Stand
- August 2026
Was die Regelwerke wirklich verlangen
Ausgangspunkt ist die US-Regelung Dodd-Frank Section 1502 (Berichtspflichten börsennotierter US-Unternehmen) und der OECD-Leitfaden für Sorgfaltspflichten in Mineralien-Lieferketten – letzterer ein international anerkannter Referenzrahmen, keine eigenständige Rechtspflicht. Die EU hat daraus die Verordnung (EU) 2017/821 gemacht, die seit dem 01.01.2021 gilt: Sie verpflichtet Unionseinführer von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold – in Form von Erzen, Konzentraten und Metallen, oberhalb festgelegter Mengenschwellen – zu Lieferketten-Sorgfalt nach OECD-Muster (Managementsystem, Risikoprüfung, Audit, Bericht). Kontrolliert wird das in Deutschland von der DEKSOR bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.
Entscheidend für den Handel: Wer fertige Erzeugnisse innerhalb der EU kauft und verkauft, führt keine 3TG-Rohstoffe ein und gehört damit nicht zum Adressatenkreis der Verordnung. Die Sorgfaltserwartung erreicht den Handel trotzdem – auf vertraglichem Weg, über die Fragebögen der Großabnehmer.
Wo 3TG im Rohrleitungsmaterial überhaupt stecken
| Mineral | Vorkommen im Sortiment |
|---|---|
| Zinn (Sn) | der relevanteste Fall: Bestandteil von Bronze-Werkstoffen (CuSn-Legierungen), Verzinnungen und Weichloten |
| Wolfram (W) | Legierungselement einzelner hochwarmfester Stahlgüten (z. B. Kraftwerksstahl X10CrWMoVNb9-2/„P92“); in Standard-Rohrleitungswerkstoffen nicht enthalten |
| Tantal (Ta) | im Rohrleitungssortiment praktisch ohne Bedeutung (Sonderwerkstoff des Apparatebaus) |
| Gold (Au) | in den mechanischen Komponenten des Rohrleitungssortiments keine Verwendung; elektrische Antriebe und Sensorik (z. B. bei automatisierten Armaturen) können Gold in Kontakten und Elektronik enthalten – solche zusammengesetzten Produkte sind einzeln zu betrachten |
In den typischen Standardgüten von Stahl, Edelstahl und Temperguss sind die vier Mineralien regelmäßig keine bewusst eingesetzten Legierungselemente – die materielle Betroffenheit eines Rohrleitungssortiments ist damit gering. Sonderwerkstoffe und zusammengesetzte Produkte (etwa Armaturen mit Antrieb und Elektronik) sind einzeln zu prüfen. Genau diese Differenzierung gehört in die Antwort auf Pauschalanfragen: Statt hunderte Artikel einzeln zu bewerten, lässt sich die Betroffenheit auf wenige Produktgruppen eingrenzen.
CMRT-Anfragen: was sinnvoll ist – und was nicht funktioniert
Das Conflict Minerals Reporting Template (CMRT) der Responsible Minerals Initiative ist das Standardformular, mit dem Unternehmen die Schmelzen und Raffinerien ihrer 3TG-Lieferketten offenlegen. Die Information, die dort zählt, entsteht beim Werkstoffhersteller – nur er kennt seine Vormaterial-Lieferkette bis zur Schmelze. Ein Händler kann und sollte deshalb keine eigene Schmelzerliste erfinden; die sachgerechte Antwort ist die Weitergabe der Herstellererklärungen für die tatsächlich betroffenen Produktgruppen – verbunden mit der Eingrenzung, welche Artikel überhaupt 3TG-relevante Werkstoffe enthalten. Für die große Mehrheit eines Stahl-Sortiments lautet die belastbare Antwort: In den typischen Standardgüten sind regelmäßig keine 3TG bewusst zulegiert – wobei ein förmliches CMRT sich nicht allein aus einer Werkstoffanalyse ableiten lässt, sondern die Erklärungen der Hersteller in der Lieferkette braucht.
So handhaben wir es bei Zickwolff
Konfliktmineralien-Anfragen beantworten wir differenziert: Für Stahl-, Edelstahl- und Temperguss-Erzeugnisse bestätigen wir auf Basis der Werkstoffspezifikationen, dass in den typischen Standardgüten regelmäßig keine 3TG bewusst zulegiert sind; für die wenigen berührten Produktgruppen – etwa Bronze- und verzinnte Artikel – klären wir die Erklärungslage mit den jeweiligen Herstellern unserer Lieferkette und reichen deren Angaben weiter. Auf Anfrage erhalten Sie von uns eine schriftliche Stellungnahme für Ihre Lieferantenakte, zugeschnitten auf die von Ihnen bezogenen Produktgruppen.
Diese Seite beschreibt, wie wir die Regelwerke für unser Sortiment verstehen und umsetzen – sie ersetzt keine Rechtsberatung für Ihren Einzelfall.
Häufige Fragen zu Konfliktmineralien
Sind Händler von Flanschen, Fittings und Armaturen nach der EU-Konfliktmineralien-Verordnung verpflichtet?
In der Regel nicht unmittelbar. Die Verordnung (EU) 2017/821 richtet ihre Sorgfaltspflichten an Unionseinführer von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold in Form von Erzen, Konzentraten und Metallen oberhalb festgelegter Mengenschwellen. Wer fertige Erzeugnisse wie Rohrleitungsmaterial innerhalb der EU handelt, führt keine solchen Rohstoffe ein und fällt damit nicht unter die unmittelbaren Pflichten der Verordnung. Die Erwartung verantwortungsvoller Beschaffung wird aber über Kundenanforderungen entlang der Lieferkette weitergegeben.
Was sind 3TG?
3TG steht für die vier Konfliktmineralien Zinn (Tin), Tantal, Wolfram (Tungsten) und Gold. Ihr Abbau kann in Konflikt- und Hochrisikogebieten zur Finanzierung bewaffneter Gruppen beitragen; deshalb verlangen die US-Regelung Dodd-Frank Section 1502 und die EU-Verordnung 2017/821 – jeweils für ihren Adressatenkreis – eine nachvollziehbare Beschaffung; methodischer Referenzrahmen dafür ist der OECD-Leitfaden für Sorgfaltspflichten, der selbst keine Rechtspflicht begründet. Im Kern geht es um die Prüfung der Schmelzen und Raffinerien in der Lieferkette.
Warum bekommen wir trotzdem CMRT-Anfragen, wenn Händler nicht verpflichtet sind?
Weil große Abnehmer – vor allem aus Automobil- und Elektronikindustrie – ihre eigenen Berichts- und Sorgfaltspflichten vertraglich die Lieferkette hinunterreichen. Das Standardwerkzeug dafür ist das Conflict Minerals Reporting Template (CMRT) der Responsible Minerals Initiative, in dem die Schmelzen und Raffinerien der Lieferkette offengelegt werden. Ein Händler beantwortet solche Anfragen sinnvollerweise mit den Erklärungen und CMRT-Angaben der jeweiligen Hersteller – eine eigene Schmelzerliste kann er nicht führen, da er die Vormateriallieferketten der Werke nicht selbst kennt.
Enthält Rohrleitungsmaterial überhaupt Konfliktmineralien?
Nur am Rand. In den typischen Standardgüten von Stahl, Edelstahl und Temperguss sind die vier 3TG regelmäßig keine bewusst eingesetzten Legierungselemente – Berührungspunkte gibt es bei Zinn (in Bronze-Werkstoffen, Verzinnungen und Loten), bei Wolfram in einzelnen hochwarmfesten Stahlgüten wie dem Kraftwerksstahl P92, sowie bei Gold in der Elektronik automatisierter Armaturen (Antriebe, Sensorik). Sonderwerkstoffe und zusammengesetzte Produkte sind einzeln zu prüfen; die materielle Betroffenheit des Sortiments bleibt insgesamt gering – was eine differenzierte Antwort auf Pauschalanfragen deutlich erleichtert.
Wer überwacht die EU-Konfliktmineralien-Verordnung in Deutschland?
Zuständig ist die Deutsche Kontrollstelle EU-Sorgfaltspflichten in Rohstofflieferketten (DEKSOR) bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Sie prüft, ob die deutschen Unionseinführer von 3TG-Rohstoffen ihre Sorgfaltspflichten nach der Verordnung (EU) 2017/821 erfüllen – Händler fertiger Erzeugnisse gehören nicht zu ihrem Adressatenkreis.
CMRT- oder Konfliktmineralien-Anfrage auf dem Tisch?
Schicken Sie uns die Anfrage – wir grenzen die betroffenen Produktgruppen ein und stellen die Stellungnahme mit den Herstellerangaben für Ihre Lieferantenakte zusammen.
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2.1 bis 3.2: welche Bescheinigung was belegt – die Grundlage jeder Lieferkettenauskunft.
Fachliche Grundlage: VO (EU) 2017/821 (EU-Konfliktmineralien-Verordnung), OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht in Mineralien-Lieferketten, öffentliche Informationen der DEKSOR/BGR und der Responsible Minerals Initiative (CMRT) sowie eigene Zickwolff-Handelspraxis. Werkstoffbezogene Aussagen beschreiben den Regelfall der genannten Werkstoffgruppen; maßgeblich für den Einzelartikel sind die Angaben des jeweiligen Herstellers. Diese Seite ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Angaben ohne Gewähr. Redaktionell geprüft: August 2026. Berücksichtigter Rechtsstand: August 2026.