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Werkstoffe · Steckbrief

Gusswerkstoffe: Temperguss und Grauguss

„Guss“ klingt nach spröde und alt – dabei ist der Tempergussfitting seit hundert Jahren das meistverkaufte Verbindungsteil der Gewinderohr-Installation, und er ist alles andere als spröde. Dieser Steckbrief erklärt den langen Kurznamen EN-GJMW-400-5, warum der Fitting getempert wird, wo bei uns Temperguss und Grauguss stecken und wie Sie beide von Stahl und voneinander unterscheiden.

Familie
Gusseisen – gegossen, nicht gewalzt; beide magnetisch
Die zwei
EN-GJMW-400-5 (0.8040, weißer Temperguss) · EN-GJL-250 (0.6025, Grauguss)
Wo bei uns
Temperguss: Gewindefittings EN 10242 schwarz und verzinkt ab Lager, Klemmverbinder, Schellen · Grauguss: Gehäuse von Armaturen und Schellen
Erkennen
Stempel und Gusshaut zuerst · Magnet haftet · Bruchbild hell gegen grau

Was der Kurzname sagt

Gusseisen heißen in der europäischen Welt nach dem Muster EN-GJ…: G für Guss, J für Eisen (das I war schon vergeben). Der dritte Buchstabe nennt die Graphitform oder das Verfahren, dann folgen die Kennwerte. EN-GJMW-400-5 liest sich so: M für malleable – temperbar –, W für white: weiß getempert, das heißt in entkohlender Atmosphäre geglüht, bis der Kohlenstoff aus der Randzone heraus ist. 400 ist die Mindestzugfestigkeit in N/mm², 5 die Mindestbruchdehnung in Prozent (Fundstelle: GF Temperguss Technischer Katalog 2015). Die alte Werkstoffnummer 0.8040 meint denselben Werkstoff; auf Zeichnungen aus der DIN-Zeit steht noch GTW-40.

EN-GJL-250 ist einfacher: L für lamellar – Gusseisen mit Lamellengraphit, der klassische Grauguss – und 250 für die Mindestzugfestigkeit. Eine Dehnungszahl fehlt, weil Grauguss praktisch keine hat: Die Graphitlamellen wirken wie innere Kerben. Alte Nummer 0.6025, alter Name GG-25.

Die zwei Gusseisen des Sortiments – Lesehilfe (kein Normauszug)
WerkstoffAlte NamenWas ihn ausmachtTypischer Einsatz im Sortiment
EN-GJMW-400-50.8040 · GTW-40 · DIN 1692Weißer Temperguss nach EN 1562: durch Glühen zäh gemacht, deshalb schlagfest, gewindegeeignet und in dünnen Wanddicken schweißbar. Schwarz oder feuerverzinkt.Gewindefittings EN 10242 (Winkel, T-Stücke, Muffen, Nippel, Kappen), Klemmverbinder, Schellenkörper
EN-GJL-2500.6025 · GG-25 · DIN 1691Grauguss nach EN 1561: druckfest, gut gießbar, dämpfend, aber spröde und nicht schweißgeeignet. Nie als Fitting.Gehäuse von Absperrklappen, Schiebern und Schmutzfängern, Rohrschellen, Gegenflansche von Armaturen

Kennelemente nach dem Bezeichnungssystem EN 1560; die beiden Einzelwerte 400 N/mm² und 5 % mit Fundstelle GF Temperguss Technischer Katalog 2015. Weitere Kennwerte stehen in der Herstellerunterlage, nicht hier.

Warum der Fitting getempert wird

Ein Rohgussteil aus Eisen mit viel Kohlenstoff ist hart und spröde wie Glas – fallen lassen, und es bricht. Beim Tempern liegt das Teil tagelang bei hoher Temperatur in einer Atmosphäre, die den Kohlenstoff aus der Randzone herauszieht. Zurück bleibt ein Werkstoff, der sich wie weicher Stahl verhält: Man kann ein Gewinde hineinschneiden, mit dem Hammer darauf schlagen, es mit Rohrzange anziehen, ohne dass etwas springt. Genau das braucht ein Fitting, der auf der Baustelle ins Gewinde gedreht wird. Grauguss könnte das nicht – deshalb gibt es Fittings aus Temperguss und Gehäuse aus Grauguss, nie umgekehrt.

Die Normbezeichnung eines Fittings liest sich darum doppelt: „Winkel EN 10242 – A1 – ½ – Zn – A“ nennt Norm, Bauform, Gewindegröße, Verzinkung und Herstellerzeichen – der Werkstoff EN-GJMW-400-5 steckt in der Norm selbst (Herstellerangabe GF). Betriebsgrenzen (Druck je Medium und Temperatur) gibt der Hersteller in seinem Katalog an; für Dampf und für die Druckgeräterichtlinie gilt die Herstellerfreigabe, nicht der Werkstoffname.

Sichtsatz: Verfahren und Normbezeichnung nach GF Temperguss Technischer Katalog 2015; Betriebsgrenzen als Herstellerangabe (dort). Die Einordnung Fitting gegen Gehäuse ist unsere Sortimentsaussage.

Beispiele, wo der Werkstoff bei uns vorkommt

Gusswerkstoffe im Sortiment (Register daten/werkstoffe.csv, Stand 10/2026)
WerkstoffHausbezugBeschreibende Seite
EN-GJMW-400-5Tempergussfittings GF schwarz und verzinkt ab Lager (Kernsortiment), Temperguss-Klemmverbinder, Dicht- und AnbohrschellenTempergussfittings · Maßtabelle · Klemmverbinder Stahl · Dicht- und Anbohrschellen
EN-GJL-250Gehäuse von Absperrklappen, Schiebern, Rückschlagklappen und Pumpen der Armaturenhersteller in unserem Sortiment – kein eigener Werkstoffartikel, Werkstoff je Armatur laut HerstellerdatenblattArmaturen

Sichtsatz: Lagerstufen nach unserem Wawi-Befund (Stand 10/2026: Tempergussfittings lagernd); Sortimentsumfang laut GF-Liste 2026; Werkstoff je Artikel laut Herstellerkatalog.

Erkennen am Teil – in dieser Reihenfolge

1. Papier und Stempel zuerst. Ein Tempergussfitting trägt das Herstellerzeichen und die Gewindegröße eingegossen, oft auch die Typnummer; die Norm steht im Katalog. Lesehilfe: Kennzeichnung lesen.

2. Die Gusshaut. Formnaht, Angussreste und die leicht raue Haut verraten den Guss; ein Stahlfitting (geschmiedet oder aus Rohr gefertigt) ist glatt. Verzinkte Tempergussfittings sind mattgrau mit Zinkblume, schwarze dunkelgrau bis schwarz.

3. Magnet. Haftet – wie bei Stahl. Der Magnet trennt Guss nicht von Stahl, nur von Kupfer und Austenit.

4. Bruchbild. Wer ein defektes Teil hat: Temperguss bricht hell und zäh mit sichtbarer Verformung, Grauguss grau und glatt ohne Verformung – daher der Name. Das ist der sicherste Unterschied, aber nur am gebrochenen Teil.

Grenzsatz: Eine Werkstoffbestimmung am Teil nennt die vermutliche Familie – nicht Charge, Wärmebehandlung oder Eignung für Druck und Medium, und sie ersetzt keine Herstellerbescheinigung.

Was die Bescheinigung zeigen muss

Tempergussfittings werden nicht chargenweise mit 3.1 geliefert – sie sind Serienteile mit Herstellerzeichen. Ihr Nachweis ist die Werksbescheinigung 2.1 oder das Werkszeugnis 2.2 des Herstellers auf Anfrage, dazu die Konformität nach EN 10242 und bei Gas- oder Trinkwassereinsatz die DVGW-Registrierung. Für Projekte mit Druckgeräte-Dokumentation liefern wir die Herstellererklärung mit; ein 3.1 auf einen einzelnen Winkel gibt es nicht: Werkszeugnisse nach EN 10204 · Zeugnisse und Dokumentation.

Die typischen Verwechslungen

„Temperguss ist Stahl.“ Nein – er ist gegossen, nicht gewalzt, und hat deutlich mehr Kohlenstoff. Er verhält sich stahlähnlich, aber die Schweißbarkeit ist auf dünne Wanddicken und Herstellerfreigabe begrenzt. Das Rohr dazu ist Stahl (EN 10255) – gleiche Gewinde, gleiche Verzinkung, zwei Werkstoffe.

„Grauguss-Fittings.“ Gibt es im Installationshandel nicht; wer „Gussfitting“ sagt, meint Temperguss. Grauguss sitzt in Gehäusen, die nicht geschlagen und nicht verschraubt werden.

„GTW-40 ist etwas anderes als EN-GJMW-400-5.“ Nein – derselbe Werkstoff, alter und neuer Name. Auf alten Zeichnungen steht GTW, im Katalog EN-GJMW.

„Verzinkt heißt rostfrei.“ Nein – die Zinkschicht schützt, solange sie geschlossen ist; an der Gewindeflanke und am Schnitt ist der Fitting Eisen. Für nichtrostende Gewindefittings: Edelstahl-Gewindefittings.

Weiter im Thema

Die Werkstoff-Welt: C-Stähle und warmfeste Stähle · Kupferwerkstoffe · Austenitische Edelstähle · Werkstoffübersicht.

Aus dem Bestand: Tempergussfittings · Gewinderohre EN 10255 · Verbinden ohne Schweißen · Flansche · Kennzeichnung lesen.

Häufige Fragen

Was bedeutet EN-GJMW-400-5?

Weißer Temperguss mit mindestens 400 N/mm² Zugfestigkeit und 5 % Bruchdehnung (Fundstelle GF-Katalog) - der Werkstoff der Gewindefittings nach EN 10242, früher GTW-40 genannt.

Kann man Tempergussfittings schweißen?

Weißer Temperguss ist in dünnen Wanddicken schweißgeeignet, aber nur mit Herstellerfreigabe und passendem Zusatz. In der Praxis wird der Fitting geschraubt – dafür ist er gemacht.

Bis zu welchem Druck darf ich Tempergussfittings einsetzen?

Das gibt der Hersteller je Medium und Temperatur in seinem Katalog an. Für Dampf, Druckluft und Gas gelten die Herstellertabellen und die Regeln des jeweiligen Anwendungsbereichs.

Was bedeutet das „A“ hinter der Bezeichnung?

Das Herstellerzeichen in der Normbezeichnung nach EN 10242; der Werkstoff selbst steckt in der Norm. Welche Buchstaben und Typnummern GF verwendet, steht auf der Seite Tempergussfittings.

Sind Tempergussfittings für Trinkwasser zugelassen?

Verzinkte Tempergussfittings sind nach Herstellerangabe DVGW-registriert; ob sie in einer konkreten Trinkwasserinstallation zulässig sind, entscheiden die Installationsregeln und die Mischinstallation mit anderen Werkstoffen, nicht der Werkstoff allein.

Tempergussfittings ab Lager

Nennen Sie uns Gewindegröße, Bauform und schwarz oder verzinkt – wir sagen Ihnen, was ab Lager geht, und legen auf Wunsch die Herstellererklärung bei.

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Stand 24.10.2026. Werkstoffaussagen nach GF Temperguss Technischer Katalog 2015 und dem Bezeichnungssystem der EN 1560 (Einzelwerte mit Fundstelle); Betriebsgrenzen und Zulassungen als Herstellerangaben; keine Normtexte, keine Normtabellen, keine Beständigkeitsangaben für Medien. Keine Rechtsberatung.